Ankunft am Ziel meiner Träume, der Antarktis

Meine letzten Tage waren einmalig und unvergesslich. Kurz nach meinem letzten Blogeintrag traf ich bei einem gemütlichen Abendessen mit meinem Team im Essensraum auf unserem Expeditionsschiff auf Agnieszka, die Leiterin der Polnischen Antarktis-Forschungsstation Arctowski. Sie erzählte mir von einer grossen Pinguinkolonie in der Nähe ihrer Station und von Forschern, die dort die Veränderungen in dieser Kolonie dokumentieren. Mein Herz begann höher zu schlagen. Zu meiner Überraschung lud sie mich auf ihre Station ein. Ich schwebte im siebten Himmel und konnte mein Glück kaum fassen.

Arctowski Pinguine posieren vor der Polnischen Forschungsstation „Arctowski“. Eine der zur Zeit wenigen eisfreien Flächen auf „King George Island“

Nach einigen Abklärungen mit dem Schiffskapitän, konnte mein Team und ich das Chilenische Schiff am Nachmittag verlassen. Ich wusste zwar nicht, was mich genau erwartet, aber meine Vorfreude war riesengross. Da die Polnische Station nicht auf der Route unseres Schiffes lag, mussten wir auf ein anderes Expeditionsschiff umsteigen. Nach einer nassen Fahrt mit einem Schlauchboot wechselte wir zusammen mit Agnieszka von der Chilenischen Aquiles auf das Peruanische Schiff Humboldt.

Wir wurden vom Kapitän persönlich empfangen und zusammen mit Agnieszka in die Offiziersmesse (persönliche Räume des Kapitäns) gebracht. Nach einem gemeinsamen Nachtessen schwatzten wir stundenlang mit Kapitän und Offizieren. Mit einem solchen Empfang hätte ich nie gerechnet und ich war überwältigt über die Gastfreundschaft. Lange nach Mitternacht mussten wir unser Gepäck zusammenpacken und fuhren in aller Dunkelheit mit dem Schlauchboot über das Meer zur Polnischen Station, wo bereits Helfer auf uns warteten, um uns mit dem Gepäck zu helfen.

PinguinMagische Momente an einem wunderschönen Ort; Pinguine sind neugierig und mit Geduld kommen sie ganz nahe.

Ich konnte es kaum glauben; nach einer tagelangen Seereise war ich endlich am Ziel meiner Träume, der Antarktis. Meine ersten Schritte auf dem Festland waren etwas merkwürdig, denn ich bewegte mich nicht auf Schnee oder Eis sondern auf Geröll. Dies ist einer der wenigen Plätze auf King George Island (gehört zu einer der Antarktis vorgelagerten Inselgruppen), der zu dieser Zeit eisfrei ist. Nach den Tagen auf See hatte sich mein Körper an das Schwanken des Schiffes gewöhnt. Jetzt auf dem Festland schwankte nicht mehr das Schiff sondern mein Körper fühlte sich an, als würde er schwanken.

Zu meiner Freude entdeckte ich auch spät in der Nacht erste Pinguine an der Küste. Die Begrüssung in der Station war sehr herzlich und es wurde mit einem Polnischen Drink auf unsere Ankunft angestossen. Ich führte noch einige Gespräche mit Forschern und Mitarbeitern und legte mich früh am Morgen hundemüde ins Bett. Am nächsten Morgen stand ein gedeckter Tisch mit vielen Köstlichkeiten bereit, wo ich mich für den Tag stärkte.

TelefonDank einem Sponsor, der für die Kosten der ganzen Kommunikation aufkommt, führe ich inmitten in der Pinguinkolonie mit einem Satellitentelefon ein Interview mit Radio Zürisee.

Nach dem Frühstück war es endlich so weit. Dank einer Spezialbewilligung der Chilenischen Regierung darf ich auch in speziell geschützten Gebieten der Antarktis filmen. Unser Team brach mit einem Pinguinforscher und Agnieszka zu einer riesigen Pinguinkolonie auf einem nahe gelegenen Berg in einem der geschützten Gebiete auf.

Das Gebiet ist ganz in der Nähe der Polnischen Station. Nach einem halbstündigen Marsch erreichten wir voller Freude die Pinguine. Ich stand inmitten von tausenden Pinguinen. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Überall um mich herum war ein lautes Pinguingeschnatter zu hören. Es hatte viele süsse Jungtiere, die tollpatschig ihren Eltern nacheilten und gefüttert werden wollten. Die Erwachsenen Pinguine stiegen vom Berg ins Meer hinab, um Futternachschub für die Kleinen zu besorgen.

Leider gab es auch weniger schöne Momente. So musste ich zusehen, wie ein Vogel ein niedliches Pinguinküken angriff und brutal tötete. Dennoch wollte ich diesen Platz am Abend am liebsten nicht mehr verlassen. An diesem Tag konnte ich viele tolle Aufnahmen drehen. Es war so schön hier. Zurück in der Station gab es ein warmes Abendessen. Es war sehr köstlich und ich habe selten in meinem Leben so fein gegessen. Nach diesem tollen Tag ging ich überglücklich ins Bett. Die nächsten Tage besuchte ich die Kolonie erneut und konnte wieder tolle Aufnahmen drehen. In der Station kam ich mit zwei Amerikanischen Forschern ins Gespräch, die das Leben der Pinguine erforschen. Zu meiner Freude durfte ich ein Interview mit ihnen machen. Leider bestätigten sie meine These, dass die Pinguinpopulation extrem sinkt und dass der Klimawandel auf diese Region drastische Auswirkungen hat. Zur Zeit brüten auf diesem Berg etwa 3’000 Pinguinpaare. Vor 10 Jahren waren es noch fast 30’000 Paare.

Nach dieser wunderschönen und unvergesslichen Zeit auf der Polnischen Forschungsstation Arctowski bin ich jetzt wieder auf dem Chilenischen Schiff und meine Reise geht weiter tiefer in die Antarktis.

14 thoughts on “Ankunft am Ziel meiner Träume, der Antarktis

  1. Liebe Janine.

    Freut mich riesig, das du schon so viele Pinguine sehen konntest und dich die erfahrenen Forscher so herzlich willkommen heissen. Weiterhin toi, toi, toi! Und einen lieben Gruss an deine Crew us de Schwiz! Angela

    • Vielen Dank für deinen Blogeintrag. Es war richtig toll, dass es so viele Forscher auf dem Schiff hatte. So konnte ich mit Forschern aus verschiedensten Nationen sprechen und Interviews machen. Zudem konnten mir die Forscher oft Kontakte zu anderen Wissenschaftlern vermitteln was für mein Projekt sehr von Vorteil war.
      Lieben Gruss, Janine

  2. Liebe Janine, ich freue mich riesig für Dich, dass Du Deine Pinguine gefunden hast. Deine Fotos von den niedlichen Tieren sind sicher super geworden. Mach’s weiterhin guet. Liebi Grüessli
    Margrit

    • Vielen Dank! Die Expedition in die Antarktis war ein einmaliges Erlebnis. Nicht nur für mich, sondern für das ganze Team. Die Landschaft und die Tierwelt waren einmalig und ich kam mir manchmal schon (fast) wie im Paradies vor.
      Janine

  3. Liebi Janine,
    us dim bricht gschpürt me richtig wie glücklich du bi dine pinguine bisch. Ich freu mich mit dir und wünsch dir no vill schöni erläbnis uf dinere fahrt. Alles gueti und viel erfolg wünscht dir und dim team s’omi

    • Danke vill mal für din Blogiitrag. I han sehr vili schöni Erlebnis gha uf minere Reis. Agfange vo dene vile Tier woni han dörfe filme, über d’Schiffsreis wo a eimalige Ort gfüert het bis hi zu de Bsüech und ufenthält uf de Forschigsstatione. Es isch eifach eimalig gsi!
      Grüessli Janine

  4. Hallo Janine, freuen uns, dass du deinem Ziel Pinguine in freier Natur zu filmen einen weiteren Schritt näher gekommen bist. Hoffen, dass es für dich so weiter geht und du noch viele weitere Highlights erleben darfst. Liebe Grüsse von Gabi und Norbert.

    • Danke für euer Blogeintrag! Ich habe mich sehr gefreut, in der freien Natur, am Ende der Welt meinen Dokumentarfilm über die Pinguine verwirklichen zu können. Ich liebte es, mich zwischen die Pinguine zu setzten und mich auf die Tiere einzulassen. Am meisten freute es mich natürlich, wenn es zum Schluss einige Beauty-Shoots gab.
      Güessli Janine

    • Ich habe mich auf meiner Reise immer wieder gefreut aus der Schweiz zu hören. Damit auch ihr meine Reise verfolgen konntet, habe ich so oft als möglich einen Blogbeitrag gepostet. Gerne hätte ich euch noch mehr schöne Fotos geschickt und euch gezeigt, wie toll es bei uns im Süden ist, doch das Versenden von Fotos war nur beschränkt möglich. Ich werde aber bestimmt noch einige Fotos meiner Reise auf den Blog hochladen.
      Deine Janine

  5. Liebe Janine
    Cool, du hast es geschafft – herzliche Gratulation! Wir vom WWF Schweiz freuen uns sehr und sind gespannt, was du noch alles erlebst. Und natürlich hoffen wir, dass unser Maskottchen-Plüschpingu dir auf deiner Reise weiterhin viel Glück bringt!Klar, dass wir weiterhin über dein #projektpingu bereichten werden :-)

    • Vielen Dank für den Blogeintrag. Mittlerweile sind der Plüschpingu und ich wieder in der Schweiz. Wir haben viel erlebt. Es freut mich ausserordentlich, dass das Projekt zustande gekommen ist. Vielen Dank an den WWF und an alle, die mir geholfen haben, das Projekt zu verwirklichen!
      Janine

  6. Liebe Janine
    Wow, wieder ein super interessanter Bericht und schöne Fotos!
    Schön zu lesen, wie viel Freude du dabei hast!
    Liebe Grüsse
    Ramona

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