«Heute können wir im Norden kaum noch Jagen» – klimatische Veränderungen in Ostgrönland

Auf meiner Reise nach Grönland wollte ich herausfinden, von welchen Veränderungen Ostgrönland und allgemein die Arktis und ihre Bewohner betroffen sind und ob es Unterschiede zur Situation in der Antarktis gibt. Es war spannend mit den Einwohnern zu reden, die schon seit vielen Generationen hier leben. In einem ersten Blogbeitrag dazu werde ich auf die klimatischen Änderungen und deren Auswirkungen auf die Menschen eingehen. Im nächsten werde ich über die sozialen Veränderungen schreiben.

eisberg

Bei meinen Vorrecherchen habe ich oft gelesen, dass durch den Klimawandel in der Arktis das Eis schmelzen wird und künftig viele Schiffswege für den Welthandel durch die Arktis führen könnten. Zudem werden sich nach neusten Prognosen auch die Meeresströmungen ändern. Südgrönland wird sich, je nachdem wie optimistisch oder pessimistisch die Vorhersagen sind, als eines der einzigen Gebiete weltweit leicht abkühlen respektive nur gering erwärmen, weil der abgeschwächte Golfstrom als Folge der Klimaänderungen nicht mehr so viel warmes Wasser nach Südgrönland bringt. Etwas nördlicher in Grönland sowie im ganzen Nordpolarmeer-Raum werden dafür die grössten Erwärmungen weltweit erwartet.

Bei meinem Aufenthalt in Ostgrönland habe ich von den Bewohnern erfahren, dass der Fjord vor der Siedlung Sermiligaaq seit einigen Jahren nicht mehr vollständig gefriert. Die Jäger müssen deshalb im Winter all ihre Schlittenhunde auf ihr Boot laden und mit ihnen bis zur Eisdecke heranfahren. Dort laden sie die Tiere ab und fahren mit ihren Schlitten auf die Jagd nach Robben.

dsc08963-2-kopieSchlittenhunde in Ostgrönland

Ein weiteres Problem, das mit dem Klimawandel einhergeht, ist das Auftauen der Permafrostböden. In diesen Böden ist u.a. viel Kohlenstoff und Methangas gespeichert, das freigesetzt wird, wenn die Böden auftauen. Methan ist ein noch stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Weiter warnen Forscher davor, dass durch das Abschmelzen der Polarkappen mehr Wärme aufgenommen und weniger Licht reflektiert wird, weil weniger weisse Fläche vom Eis vorhanden ist. Somit erwärmt sich die Erde noch mehr. Durch das schmelzende Eis wird auch der Lebensraum von vielen Tieren- und Pflanzenarten verändert. Noch ist unklar, ob sich diese so schnell an die Veränderungen anpassen können.

Aber auch die Menschen sind von den Veränderungen betroffen. Der Lehrer Johan aus der Siedlung Sermiligaaq hat mir die Situation wie folgt geschildert: «Früher gingen wir viel in den Norden fischen und Wale jagen. Heute ist dies kaum mehr möglich, weil das Eis immer früher schmilzt und wir mit unseren Booten nur erschwert zwischen den vielen kleinen Eisbergen hindurchfahren können.» Auch wenn es in Ostgrönland mittlerweile kleinere Läden gibt, ist die Jagd für die Inuit immer noch ein sehr wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Von diesem Fleisch ernähren sie nicht nur ihre Familie, sondern auch die Schlittenhunde.

Ich bewundere die Inuit wie sie mit der Natur leben und wie sie mit diesen Veränderungen umgehen. Doch leider schaffen es nicht alle Inuit sich an die veränderten Lebensbedingungen anzupassen. In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich euch von den Problemen und Tragödien erzählen, die ich in Ostgrönland erlebt und gesehen habe.

dsc00123-2-kopieDer Jäger Emanuele aus Sermiligaaq füttert seine Schlittenhunde mit Robbenfleisch.

dsc00161-2-kopieCharlotte, Emanueles Frau, schneidet das Fett von
der Robbenhaut weg, um es zu verkaufen.

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