Jeder Tag ein Abenteuer

Die Tage in der Paradise Bay waren märchenhaft. Die unbeschreiblichen Eislandschaften faszinierten mich sehr und ich verbrachte viele Stunden staunend auf der Brücke unseres Schiffes. Während der Fahrt Richtung Norden erwarteten mich weitere Überraschungen. So war es eines Nachmittags ungewohnt unruhig auf dem Schiff. Der Kapitän war nervös und die Stimmung auf der Brücke angespannt. Ein riesiger Eisberg hatte sich dem Schiff bis auf 14 Meter genähert. Schnell wurde die Ankerkette hochgezogen und der Motor gestartet. Einige Passagiere fanden sich auf dem Deck ein, um das Spektakel zu beobachten. Auch ich war da und filmte das Ereignis gespannt. Der Eisberg war so riesig, dass man manches Mehrfamilienhaus darauf hätte bauen können. Glücklicherweise ging alles glimpflich aus und das Schiff konnte unbeschadet weiter Richtung Norden fahren.
Schon bald erwartete mich wieder die Drake Passage und mit ihr auch die Hoffnung auf tolle Aufnahmen. Laut der Schiffsmeteorologin sollte mein Wunsch in Erfüllung gehen, denn sie sagte einen starken Sturm vorher. Voller Vorfreude startete ich mein Abenteuer Drake Passage zum zweiten Mal. Doch meine Erwartungen wurden wieder bitter enttäuscht. Die Wellen waren bestenfalls 3-5 Meter hoch und nicht 20 Meter, wie ich sie nach meinen Vorbereitungsrecherchen erwartet hatte. So genoss ich die restlichen Tage entspannt mit meinem Team bei ruhiger See auf dem Schiff. Ich drehte letzte Einstellungen vom Schiff und genoss den Sonnenuntergang und die einzigartigen Wolkenschauspiele am letzten Tag.

Eisberg 1
Zum Abschied von der Antarktis zeigte sich das Wetter von seiner schönsten Seite mit einer wunderschönen Abendstimmung.

Bald stand die Ankunft in Punta Arenas und somit die letzten Tage meiner Reise bevor. Auf dem Schiff hatte ich von einer Insel nur wenige Stunden von Punta Arenas entfernt gehört, auf der 300’000 Pinguine leben sollen. Als Abschluss meiner Reise wollte ich unbedingt diese Insel besuchen. Charles Michel und eine Hostel-Angestellte halfen mir, eine entsprechende Drehbewilligung der Regierung zu erhalten.

Am frühen Morgen fuhr ich mit einem kleinen Schiff zu dieser Insel Magdalena, wo die rund 300’000 Magelanpinguine leben. Die Lebensweise dieser Pinguine unterscheidet sich von derjenigen der Antarktischen Pinguine. Im Gegensatz zu den Antarktischen Pinguinen brüten diese in Höhlen unter der Erde und bauen ihre Nester nicht aus Steinen sondern aus Gras. Ich konnte auch ihr Paarungsverhalten beobachten. Im ersten Moment erschrak ich, als ich sah, wie zwei Pinguine ihre Schnäbel gegeneinander schlugen. Dennoch war es spannend mitanzusehen, wie sie anschliessend miteinander umherwatschelten. Mit mir waren auch einige Touristen an Land gekommen. Im Gegensatz zur Antarktis waren hier Wege für Touristen markiert, auf denen sie durch die Kolonie gehen durften.
Für mich war es ein komisches Gefühl, so viele Leute zwischen den Pinguinen zu sehen und ich war froh, dass dies in der Antarktis (noch) nicht so ist. Die Pinguine waren (vermutlich auch wegen dem Tourismus) sehr zutraulich. Ein besonders neugieriger Pinguin knabberte mir sogar an meiner Hose und den Gummistiefeln herum. Der Besuch dieser Insel war ein schönes Erlebnis. Zu meiner Freude fuhren wir am Nachmittag zu der benachbarten Insel Marta. Diese Insel darf von niemandem betreten werden. Aber vom Schiff aus konnte ich tausende von Pinguinen und eine grosse Seelöwen-Kolonie beobachten und filmen.

Den letzten Tag verbrachte ich in der Stadt, wo ich letzte Dinge für den Heimflug organisierte und das Leben in dieser Stadt genoss. Schliesslich musste ich noch meine Koffer ein letztes Mal packen und den Heimflug antreten. Die 22 Stunden Flug gingen Wort wörtlich wie im Flug vorbei. Als ich in Zürich gelandet bin, begriff ich langsam, dass die Reise in wenigen Minuten zu Ende ist. Am Flughafen erwarteten mich meine Familie gespannt. Sie hielten zur Begrüssung eine grosse Fahne in die Höhe, was mich sehr berührte. Ich freute mich, meine Familie und unseren Hund nach so langer Zeit wieder zu sehen und sie in die Arme schliessen zu können. Nach einer stürmischen Begrüssen fuhr wir gemeinsam nach Hause, wo ich mich nach über einem Monat Abwesenheit wieder auf mein Zimmer freute. Zu meiner Überraschung war das ganze Zimmer gefüllt mit über 500 bunten Luftballons. Ich legte mich zwischen die Ballone und freute mich darüber, wieder zu Hause zu sein.

Das übermitteln der Blogbeiträge aus der Antarktis war oft mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Gerne hätte ich mehr über meine Abenteuer dieser Reise berichtet. So dauerte das übermitteln eines Fotos in geringer Auflösung oft 15 Minuten und länger. Zu lang für eine stabile Satellitenverbindung. Jetzt, wieder daheim, werde ich hier verpasstes nachholen und noch viele Bilder zeigen und Geschichten meiner Reise erzählen können.

Insel Magdalena300’000 Magelanpinguine leben auf der Insel “Magdalena” vor Punta Arenas. Sie brüten in Höhlen unter der Erde. Touristen dürfen diese Insel besuchen. Die Fahrt mit dem Boot dauert etwa eine Stunde.

Pinguin_1Die Magelanpinguine auf der Insel “Magdalena” sind nicht scheu. Einer war besonders neugierig und zupfte an meinen Kleidern.

Pinguin_2Mein Tascheninhalt interessierte diesen Pinguin genau so wie der Inhalt meiner Fototasche.

Insel Marta 1Das Betreten der Insel “Marta” ist verboten. Vom Meer her darf dieses kleine Paradies bestaunt werden.

Insel Marta 2Auf der Insel “Marta” leben tausende von Pinguinen, Seelöwen und viele Seevögel auf engstem Raum. Bäume, Sträucher oder andere Pflanzen sind keine zu sehen.

PatagonienNach unserer Rückkehr aus der Antarktis reisten wir noch für wenige Tage durch Patagonien, einer Landschaft geprägt durch steppenartige Ebenen.

GuanakoEin ungewohntes Bild; in der kargen Landschaft von Patagonien leben die Guanakos, die einem Lama sehr ähnlich sehen, jedoch viel kleiner sind.

NanduDie wild lebenden Darwin-Nandus nördlich von Punta Arenas sind extrem scheu und leben normalerweise in Gruppen. Sie sehen aus wie ein Strauss, sind jedoch deutlich kleiner.

BalloneEs war ein herzlicher Empfang meiner Familie am Flughafen Kloten. Zuhause war mein Zimmer vollgestopft mit über 500 bunten Luftballons.

3 thoughts on “Jeder Tag ein Abenteuer

  1. Janine, toll hast Du das gemacht. Die Fotos sind grossartig und interessant.
    Uebrigens, die von mir gestrickte Mütze steht Dir gut und hat Dir sicher gute Dienste geleistet.
    Margrit

  2. Hoi.Janine. Ich denke dass dich der Alltag schnell einholt und du dich wieder an den CH-Rytmus gewöhnst. Die Fotos(auch die von Charls) sind eindrücklich und vermitteln einen Teil den du erleben durftest.
    Gruss Gotti

  3. Leider habe ich ein paar Tage nicht mehr in Deinem Blog gelesen. Jetzt bist Du wohlbehalten wieder zuhause. Jetzt beginnt die Arbeit erst. Alles verarbeiten, wieder akklimatisieren, Film schneiden etc.
    Wir freuen uns bereits jetz auf Deinem Bericht. Der letzte Klubabend, welcher von Walter Senn organisiert wurde, hatte als Titel “Drehbuch schreiben”. Es waren ca. 18 Teilnehmer, was eine intensive Gruppenarbeit erlaubte. War sehr intensiv.
    Am 1. April haben wir ZOFA-Kino, was uns erlaubt ein Bisschen für den Klub zu werden: http://zofa.ch/_downloads/FlyerPulsdesLebens3.pdf
    Wir freuen uns Dich bald wieder zu sehen.
    LG

    Hans Wagenmakers

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