Tag 15: Ny-Ålesund (78°57’ N / 11°59’ E)

Als wir in den Hafen von Ny-Ålesund eingefahren sind, war der Nebel so dicht, dass wir die Schiffe an den Stegen erst wenige Meter vorher erkannt haben. Das Navigieren war bei diesen Bedingungen nicht einfach und ich half unserem Kapitän Charles in der Brücke, in dem ich Ausschau nach Eisbergen hielt. Glücklicherweise sind wir heil im Hafen angekommen und schon wenige Minuten später hatten wir strahlend blauen Himmel.

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Das Wetter in der Arktis ist eben unberechenbar. Ny-Ålesund ist eine kleine Forschersiedlung im Nordwesten von Spitzbergen, in der im Sommer ca. 200 Menschen leben. Weil hier spezielle Messgeräte zu Forschungszwecken aufgestellt wurden, darf hier kein Handy, WIFI oder Funkgerät ohne spezielle Frequenzen verwendet werden. Internet habe ich hier nur über ein Ethernet Kabel, das in einem kleinen Holzhäuschen hier im Hafen zur freien Verwendung steht. Die Siedlung war mir schon nach meinem ersten Rundgang sehr sympathisch und mein Forscherherz schlug höher, als ich die verschiedenen Schlauchboote und Forschungsstationen sah. Schon bald lernte unser Team auf der Strasse den Gänseforscher Dr. Maarten Loonen kennen, der kurzerhand das ganze Team zu seiner Feldarbeit am selben Abend einlud. Ich war sehr aufgeregt und überrascht, dass wir ihm bei seiner Arbeit helfen dürfen. Am Rande der Siedlung erforscht Maarten die Gänse hier in Ny-Ålesund. Er vermisst und markiert sie und lässt sie anschliessend wieder frei. Ich fand es sehr spannend, ihm bei seiner Arbeit zuzuschauen und wir durften sogar selbst Hand anlegen und die Gänse durch einen Tunnel freilassen. Die Forscher messen die Zeit, welche die Gans braucht, um durch den Tunnel zu laufen, um Rückschlüsse über deren Verhalten zu ziehen. Es war ein ungewohntes Gefühl, die Gans in der Hand zu halten und ich hoffte einfach, dass sie mir nicht aus der Hand entwischen würde. Maarten und sein Forscherkollege Christoph Brochet haben uns erzählt, welche Folgen der Klimawandel hier in der Arktis auf die Tierwelt hat.

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Rentiere sind entgegen meinen Erwartungen Verlierer vom Klimawandel, weil es hier in Spitzbergen vermehrt Regnen wird und die Vegetation durch die kalten Temperaturen einfrieren und nicht mehr als Nahrung für die Renntiere zur Verfügung stehen wird. Polarfüchse könnten von den Renntierkadavern als Nahrung wiederum profitieren. Gewisse Vogelarten sind Gewinner, andere Verlierer vom Klimawandel. Eine Vogelart ist beispielsweise auf das Zusammentreffen von Süss- und Salzwasser angewiesen. Mit dem Klimawandel könnte sich diese Grenze aber zu ihrem Nachteil verändern. Eine andere Vogelart braucht das Schmelzwasser an der Meeresoberfläche. Durch die vermehrte Gletscherschmelze könnten sie somit zu den Profiteuren gehören. Die Populationen der Gänse sind, nachdem ein Jagdverbot auf diese erhoben wurde, wieder am Steigen. Die Eisbären gehören ebenfalls zu den Verlierern, weil das für sie überlebenswichtige Eis für die Jagd immer stärker abnimmt.

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Mich erschreckt es, zu sehen, wie vielfältig die Auswirkungen sind und dass nicht nur unsere Gletscher schmelzen, sondern auch die Tierwelt und letztendlich auch wir Menschen davon betroffen sind.

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